Ammophilia arenaria ist der botanische Begriff für Strandhafer, sagt der alte Fischer und zeigt auf das Dünengras. Es wächst in den Vordünen, also den ersten Dünen hinter dem Strand, kann bis zu drei Meter tiefe Wurzeln bilden und hat für den Boden eine stabilisierende Funktion.
Okay, wir haben verstanden und betreten die Dünen mit dem Strandhafer auf gar keinen Fall. Wir laufen am Meeressaum bis zur Seebrücke in Prerow. Vorbei an den kleinen Geschäften fällt unser Blick auf die Goldschmiede Kupfer. In der Auslage Ringe, die uns schon beim ersten flüchtigen Hinschauen besonders erscheinen. „Die Oberflächengestaltung sieht aus wie ineinander verschlungene Gräser“, sagt meine Begleiterin in Erinnerung an das Gespräch mit dem Fischer, der sein ganzes Leben auf dem Darß verbracht hat, wie schon sein Vater und sein Großvater vor ihm.
„Lass uns hineingehen“, sage ich, weil ich doch den Bernstein so liebe und vielleicht ein Exemplar finde, dass ich mit nach Hause nehmen und später auf meinem Schreibtisch in der Kanzlei täglich anschauen kann, um mir die Tage am Meer lebendig zu halten.
In der Goldschmiede fällt unser Blick auf den Ring, den wir eben in der Auslage sahen. Ich nehme ihn in die Hand, ein dunkelgrundiger Silberring, der wie aus feinen Fäden gesponnen zu sein scheint und trotz der filigranen Anmutung Stabilität ausdrückt.
„Dieser Ring“, erklärt uns die Goldschmiedin, „geht auf die Struktur des Strandhafers zurück. Ich hatte mir einige Strandhaferhalme auf die Hand gelegt und sie wie eine Kordel geschlungen. Ich fand diese Verflechtung so interessant, dass ich aus dem Vorbild einen Ring entwerfen wollte. Das Ergebnis liegt jetzt vor Ihnen.“
Muss ich noch extra sagen, dass dieser Ring auf meinen Finger wollte, um ihn nicht mehr zu verlassen?
Die Goldschmiede Kupfer war uns schon im Ort Prerow mit ihrer schönen Auslage aufgefallen. Wir recherchieren etwas und lesen, dass Werner Kupfer das erste Geschäft 1950 in Prerow eröffnete, dem ein weiteres an der Seebrücke folgte. Sein Schmuck, in aufwendiger Handarbeit gefertigt, wurde von den Kunden hochgeschätzt – wie auch heute noch die Goldschmiede Kupfer für feinsten Gold-, Silber-, Platin- und Bernsteinschmuck steht. Werner Kupfer hat sein Geschäft 1990 an Sohn Raphael übergeben, der inzwischen eine dritte Niederlassung in Ahrenshoop eröffnet hat.
Teil 3 unseres Reiseberichts folgt nächste Woche
