Ich stehe an der Reling und schaue aufs Meer. Wir überqueren mit der Autofähre die Warnow, die hier in die Ostsee fließt – darum heißt der ehemalige Fischerort, den wir jetzt ansteuern, Warnemünde, die „Mündung der Warnow“.

1323 erwarb die reiche Stadt Rostock den kleinen, an der Hafeneinfahrt gelegenen Fischerort Warnemünde. Die Hansestadt Rostock war zu dem Zeitpunkt bereits ein bedeutendes Zentrum für Kaufleute und Handwerksbetriebe. Aus der ursprünglichen slawischen Siedlung an der Warnow hatte sich dank des regen Handels mit Fisch und Bier ein Dorf entwickelt, das 1218 die Stadtrechte erhielt.

Mit einer drei Kilometer langen und sieben Meter hohen Stadtmauer schützte die wohlhabende Bürgerschaft die Alt-, Mittel- und Neustadt. Von den 22 Toren, die damals in die Stadt führten, sind heute noch vier erhalten.

Wir nehmen uns vor, die Stadt zu erkunden, die bis ins 17. Jahrhundert mit seinen Speichern, Hafenanlagen und prächtigen Giebelhäusern zu den wichtigsten Partnern des Handelsbündnisses – der Hanse – gehörte. 1766 zerstörte ein Brand einen Teil der Häuser, die im Laufe der Jahre – unter Einfluss der Renaissance und des Barock – wieder errichtet wurden. Und drei Jahrhunderte später noch einmal die große Zerstörung: 1942 wird Rostock aufgrund seiner strategischen Bedeutung, des Seehafens, der Werft und der Flugzeugindustrie, Ziel der Bombenangriffe. 60% der historischen Bausubstanz werden vernichtet.

Es folgt der Wiederaufbau in den 50-er Jahren. Wer heute durch die verblieben vier Stadttore tritt, wird an jeder Ecke mit Geschichtsträchtigem konfrontiert. Die beeindruckende Architektur vergangener Jahrhunderte, Gassen, Märkte, der Stadthafen und nicht zuletzt die Universität, die mit ihrer Gründung 1419 zu den ältesten Universitäten des Ostseeraums gehört.

Studiert haben an der Rostocker Uni übrigens die Schriftsteller Erich Kästner und Fritz Reuter sowie der berühmte Astronom Tycho Brahe. Letzterer soll in einem Duell die Hälfte seiner Nase verloren haben, die ihm ein geschickter Mediziner durch eine Metallprothese ersetzte. Den Mann „mit der goldenen Nase“ können Besucher am Glatten Aal, einem Platz in der Rostocker Innenstadt, als Bronzestatur bewundern, die Teil einer Sonnenuhr ist.

Welch ein faszinierendes Miteinander aus Historie und Gegenwart, denken wir, als wir unseren Wagen abstellen, um die Stadt zu erkunden.    

 

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