Die Blaue Scheune in Vitte

Die Blaue Scheune in Vitte könnte mit ihrem schönen, an die Farbe des Himmels und des Meeres erinnernden, Kalkanstrich auch im Mittelmeerraum stehen.

Aber dieses künstlerisch anmutende Ensemble steht auf Hiddensee, genauer im nördlichen Teil Vittes und ist seit Jahrzehnten ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher. 1920 kaufte die aus Berlin stammende Malerin Henriette Lehmann das schwer renovierungsbedürftige Gebäude und ließ es zu einem Atelier ausbauen. Das Haus wurde in blauer Kalkfarbe gestrichen – und fortan die Blaue Scheune genannt, die ein künstlerisch-intellektuelles Zentrum der Insel wurde, wie der Hiddensee-Kenner Manfred Faust in seinem faszinierenden geschichtlichen Abriss beschreibt („Hiddensee. Die Geschichte einer Insel“).

Mit der ebenfalls aus Berlin stammenden Clara Arnheim gründete Henriette Lehmann den Hiddenseer Künstlerinnenbund und durchbrach damit die männerdominierte Künstlerszene. Die Jüdin Lehmann mit ihrem emanzipierten Künstlerinnenleben war den Nationalsozialisten natürlich ein Dorn im Auge, sie erzwangen die Auflösung des Hiddenseer Künstlerinnenbundes und die Schließung der Blauen Scheune, die tatsächlich zu keinem Zeitpunkt eine Scheune war.

Das wohl um 1750 errichtete Haus gehört zum Typ des niedersächsischen Hallenhauses. Zu seinen ersten Bewohnern sollen Fischer gehört haben, die im 18. Jahrhundert neben Kleinbauern die Insel Hiddensee besiedelten. Das Gebäude ist ein eingeschossiger Katen, ein sogenanntes Rauchhaus ohne Kamin. Früher musste der Rauch durch das reetgedeckte Dach entweichen.

Nachdem die Auflösung des Hiddenseer Künstlerinnenbundes 1933 erzwungen worden war, stand die Blaue Scheune leer und wurde erst in den 50-er Jahren zu neuen Leben erweckt, dieses Mal durch den Maler Günther Fink. Er baute das Haus zum Wohnhaus, Atelier und Ausstellungsraum um. Nach seinem Tod setzte seine Frau Helga, ebenfalls eine Malerin, die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Sommerausstellungen fort. Heute haben das den Finks verbundene Ehepaar Cornelia und Michael Müller-Degenhardt die Blaue Scheune übernommen, um das geschichtsträchtige Haus dauerhaft zu erhalten.

Wer mehr über den Hiddenseer Künstlerinnenbund erfahren oder sich die Werke des Malerpaares Helga und Günther Fink anschauen möchte, sollte während seines Inselaufenthaltes eine Besichtigung einplanen. Grundsätzlich ist die Blaue Scheune von Dienstag bis Sonntag von 11.00 – 13. 00 Uhr geöffnet. Die Möglichkeit für individuell abgesprochene Führungen besteht, achten Sie auf die Aushänge vor dem Gebäude.

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