Seit vielen Jahren begleite ich die Hospizbewegung juristisch, insbesondere im Vereins- und Arbeitsrecht. Zudem bin ich als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender einer Hospiz gGmbH tätig.
In der Beratung von Hospizvereinen wird mir immer wieder bewusst, welche zentrale Rolle diese Einrichtungen für unsere Gesellschaft spielen – gerade in einer Zeit, in der Tod und Sterben häufig aus dem Alltag verdrängt werden.
Die moderne Hospizidee – Cicely Saunders
„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, lautet ein oft zitierter Leitsatz der englischen Ärztin Cicely Saunders. Sie gilt als Begründerin der modernen Hospizbewegung. Ihr Ansatz war revolutionär: Der letzte Lebensabschnitt sollte nicht anonym und isoliert stattfinden, sondern begleitet durch medizinische, pflegerische und seelische Unterstützung.
1967 eröffnete Saunders bei London das erste stationäre Hospiz. Bereits im 19. Jahrhundert hatte Jeanne Garnier in Lyon ein Haus für Sterbende gegründet, das den Namen „Calvaire“ trug. Auch in den USA entstanden früh Einrichtungen, die Sterbenden Beistand leisteten.
Elisabeth Kübler-Ross und der gesellschaftliche Umgang mit dem Tod
Ein weiteres Schlüsselwerk stammt von Elisabeth Kübler-Ross. Mit ihrem Buch „Interviews mit Sterbenden“ brachte sie das Thema Tod in die öffentliche Diskussion. Sie zeigte eindrucksvoll, wie wichtig ein würdevoller Umgang mit Sterbenden ist – getragen von engagierten Fachkräften und Ehrenamtlichen.
Heute existieren in Deutschland über 1.000 ambulante Hospizdienste und rund 200 stationäre Hospize. Das erste stationäre Hospiz wurde 1986 in Aachen eröffnet.
Hospizarbeit aus der Praxis
Durch meine Tätigkeit im Aufsichtsrat des St. Elisabeth-Hospizes in Marburg erhalte ich unmittelbare Einblicke in die tägliche Arbeit. Die dort geleistete Betreuung zeigt eindrucksvoll, wie wichtig professionelle und empathische Begleitung am Lebensende ist.
Herkunft des Begriffs „Hospiz“
Der Begriff „Hospiz“ stammt vom lateinischen „hospitium“, was Gastfreundschaft bedeutet. Bereits im frühen Mittelalter existierten Herbergen, die Kranke, Alte und Reisende aufnahmen. Diese Tradition der Fürsorge bildet bis heute die Grundlage der Hospizbewegung.

